Ausflug in die Kiesgrube bei Rubigen

Wie schon vor fünf Jahren fand dieses Jahr wieder ein Ausflug in die Kiesgrube bei Rubigen statt (www.lernortkiesgrube.ch). 12 Kinder hatten sich für diesen Ausflug angemeldet.

Mit dem Zug ging es bis Rubigen. Am Bahnhof Rubigen erwartet uns ein Déjà-vu. Wie schon vor fünf Jahren war der Container mit den reservierten Scootern, mit denen wir gemütlich in die Kiesgrube gelangen wollten, abgeschlossen. Auch dieses Mal half alles Telefonieren nichts, wir mussten den Weg ohne Räder antreten. Das heisst nicht ganz alle: Frau Eggimann, die Biologin, welche uns diesen Nachmittag durch die Kiesgrube führte, und eine Mutter machten mit ihren Autos Shuttlebetrieb. Schliesslich liefen nur zwei Mädchen und ich die ganze Strecke. In der Kiesgrube wurden wir von Frau Eggimann nochmals begrüsst und in die Geheimnisse der Lebenswelt einer Kiesgrube eingeweiht. Weshalb ist dieser Lebensraum so speziell? Auf den ersten Blick ist es einfach eine Baugrube mit viel Sand, Schutt und Staub, in der zum Teil noch gearbeitet wird. Aber für einzelne Tier- und Pflanzenarten bilden sich hier Nischen, in denen sie überleben können; Tiere und Pflanzen, die sich ursprünglich vor allem in Flussgebieten nach Überschwemmungen behaupten konnten, bevor sie von anderen Pflanzen und Tieren wieder verdrängt werden. Da in unserer Zeit die Flüsse nur noch selten über die Ufer treten, bilden Kiesgruben eine Art Ersatzwelt für diese Fauna und Flora. Frau Eggimann zeigte uns, wie sich bestimmte Pflanzen gegen Trockenheit schützen oder eine Abwehr gegen Schädlinge entwickelt haben. Auch das Hotel für Wildbienen war eine spannende Sache. Von aussen mit seinen verschiedenen Hölzern hübsch anzusehen, verbirgt es aber vor allem in seinem Inneren eine eigene kleine Welt. Dank Glasröhrchen, welche die Funktion von hohlen Hölzern übernommen hatten, konnten wir die verschiedenen Bewohner betrachten. Denn nicht nur Wildbienen nutzen diese Hotels für ihren Nachwuchs. Zum Teil wurden die Röhrchen von verschiedenen Insekten, oder besser von ihren Larven, bewohnt, die einzelnen Abteilungen schön voneinander abgetrennt.

Weiter unten bei den Tümpeln konnten wir mit Netzen und Bechern bewaffnet auf die Jagd gehen. Das Jagfieber war ausgebrochen. Wer fängt eine Kaulquappe, wer einen Frosch, eine Libelle oder einen Rückenschwimmer? Na ja, als dann tatsächlich ein recht grosser Frosch ins Netz hüpfte, war die Aufregung fast grösser als die Freude über den Fang. Wer nimmt ihn aus dem Netz? Beisst so ein Frosch eigentlich? Sind die giftig? Sorgfältig wurden die Tiere, bis auf den Frosch, der war zu gross, in die verschiedenen Gefässe verfrachtet und zusammen mit Frau Eggimann bestimmt und danach wieder an ihrem Fundort frei gelassen. Es gab so viel zu entdecken: Spinnennetze, die über den ganzen Weg gespannt waren, eine tote Libelle, die man ganz in Ruhe und von ganz nah untersuchen konnte und noch vieles mehr.

Schnell verflog die Zeit. Während wir unter dem grossen Zeltdach gemütlich unser mitgebrachtes Zvieri verspeisten, holte Frau Eggimann mit dem Auto die Scooter und als Überraschung brachte sie noch für jeden von uns eine Glace mit. Vielen Dank Frau Eggimann für die tolle Führung und die vielen interessanten Einblicke, die wir bekommen haben. Zurück ging es also mit Rädern unter den Füssen. Zwei Mädchen waren etwas vorsichtig und wollten langsam fahren. Kein Problem, ich bildete mit den zwei Mädchen das Schlusslicht und gab den Schnelleren die Anweisung, bei der ersten Kreuzung zu warten. Als wir dort ankamen, war weit und breit kein Mensch zu sehen. Als auch bei der nächsten Kreuzung keine Kinder zu sehen waren, machte ich mir langsam Sorgen. Notabene waren die zwei Mädchen, die den ganzen Weg zur Kiesgrube gelaufen waren und den Fussweg also kannten, die zwei, die mit mir unterwegs waren… Bis zum Bahnhof keine Kinder. Ich rollte also den ganzen Weg zurück, so wie man ihn mit dem Auto fährt. Dort standen sie, an einer Kreuzung (sie waren an der ersten wo sie warten sollten, falsch abgebogen), die meisten schon mit dem Natel in der Hand, um ihren Eltern zu melden, dass sie verloren gegangen seien. Ziemlich verschwitzt und mit einem etwas hohen Adrenalinspiegel (zumindest meiner) kamen wir am Bahnhof an, denn nun wurde es langsam knapp mit dem Zugsanschluss. Wir haben den Zug noch erwischt, alles in Ordnung. Zum Glück steht der nächste Kiesgrubenbesuch erst wieder in ein paar Jahren an. Dann muss ich mir überlegen, wie ich den Transport zur Kiesgrube hin und zurück organisieren will, irgendwie ist da der Wurm drin… ☺

Tatiana Lentze

Leiterin Jugendtierschutz

Der Bericht im PDF-Format