Bubos besuchen REDOG

Am 17.10.2009 um 8.15 Uhr steigen in Thun die Kinder vom Jugendtierschutz Thun in der Begleitung von Denise Bärfuess in den Car Richtung Bern. Um 9 Uhr nimmt eine orange gekleidete Person die Kinder vom Bubo Club auf der Schützenmatt in Bern in Empfang, wo kurz darauf auch der Car aus Thun eintrifft. Uschi Heiniger ist Mitglied bei REDOG und wird die Kinder nach Wangen an der Aare begleiten, wo sie ein Training der Trümmersuchhunde von REDOG besuchen werden. Ich bin schon in Wangen, wo die Vorbereitungen für diesen Besuch in vollem Gange sind. Um 10 Uhr treffen die Jugendlichen in Wangen ein. Alle sind gut ausgerüstet mit Pick-Nick, warmer Kleidung und Velohelmen. Sie werden durch das Übungsdorf der Armee zum Theorieraum geführt. Auch ein paar interessierte Eltern möchten noch ein bisschen bleiben…

Im Theorieraum werden sie von Linda Hornisberger, der Ausbildungsverantwortlichen von REDOG Schweiz, begrüsst und in das Geheimnis der Rettungshunde und Hundenasen eingeführt. REDOG besteht seit 1971 und ist die einzige Organisation in der Schweiz, die Hunde für den Auslandeinsatz mit der Rettungskette Schweiz ausbildet. Das letzte Mal kamen die Hunde von REDOG im September 2009 bei dem grossen Erbeben in Sumatra zum Einsatz. Anhand einer Power Point Präsentation mit vielen Bildern erklärt Linda Hornisberger, wie ein Hund seine Welt durch die Nase sieht, die Kinder erfahren, dass der Mensch 5 Millionen Riechzellen, der deutsche Schäferhund aber rund 224 Millionen hat, dass der Hund den „Duftwölkchen“, die jede Person absondert, bis zu der vermissten Person folgt und die gefundene Person dann ihrem Besitzer durch Bellen und Scharren meldet. Linda Hornisberger erklärt, dass die Ausbildung zum Katastrophensuchhund rund drei bis fünf Jahre dauert und sehr viel Training erfordert. Nach dem spannenden Vortrag wird erst einmal das mitgebrachte Znüni gegessen. Danach werden die Kinder in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe darf zuerst ihren eigenen Geruchsinn testen. In mehreren Dosen sind verschiedene Düfte eingeschlossen. Banane, Orange, Schokoladenpulver werden von allen rasch erkannt. Schon schwieriger wird es mit Curry und Minze und so richtig schwierig sind die getrockneten Rosenblüten. Seife? Parfüm? Putzmittel? Ein Mädchen strahlt: „Blumen, genau Rosen!“ Auch an den Verdünnungen mit Himbeersirup wird heftig geschnuppert. Ein Tropfen pro Glas reicht für den Hund, wir Menschen brauchen schon einige Milliliter um überhaupt etwas zu riechen. Aber am besten sind etwa 2 Zentimeter pro Glas… Rasch werden die mitgebrachten Getränkefalschen geleert und mit Sirup gefüllt. Meine Himbeersirupflasche ist am Abend praktisch leer.

Danach geht es mit dem Velohelm ausgerüstet ins Gelände. In einigen Gebäuden arbeitet die Feuerwehr, Flammen züngeln aus den Fenstern, es raucht, überall liegen Schläuche herum. Aus den Trümmern leuchtet ab und zu die orange Bekleidung der REDOG Leute und Hunde verschwinden hinter Steinbrocken. Irgendwie bekommt man schon ein Bild davon, wie es bei einem Unglück zu und her geht. Dann endlich können sie die Hunde beim Arbeiten beobachten. Im Gelände steht auch ein Parcours, wo die Hunde ihre Geschicklichkeit trainieren. Sie laufen über liegende Leitern oder klettern eine stehende Leiter hoch, balancieren über schwankende Bretter, gehen über Wippen, wühlen sich durch Kisten gefüllt mit PET-Flaschen und lassen sich in einem Handkarren durch die Gegend ziehen.

Dann beginnt die Suche nach einer „vermissten“ Person, der Hund rennt über die Trümmer, schnüffelt und steckt seine Nase in jeden Spalt, plötzlich verharrt er und bellt. Er hat jemanden gefunden. Der Besitzer geht hin und belohnt ihn mit Futter und einem Spielzeug. Natürlich wollen alle wissen, ob der Hund auch recht hat und plötzlich wuseln alle Kinder über die Trümmer und helfen beim bergen der Person. Wer will, kann sich nun „verschütten“ lassen und auf die Hilfe von Hundenasen hoffen. Es ist spannend, ganz ruhig im Versteck zu sitzen und zu hören, wie der Hund draussen schnüffelt, dann das erlösende Bellen. Hurra, gerettet! Die vorbereiteten Verstecke für die Kinder sind gross, hell und trocken. Die Blicke der Kinder werden ein bisschen skeptisch, als sie hören, dass die Leute von REDOG zum Teil mehr als 2 Stunden in engen, feuchten Löchern ausharren. Das ist aber nötig um möglichst realitätsnah zu trainieren, deshalb wird nach Möglichkeit auch auf Abbruchobjekten trainiert, denn die entsprechen am ehesten den Verhältnissen, die man bei einem Echteinsatz antrifft.

Kurz nach Mittag geht es gutgelaunt zurück zum Car und danach Richtung Bern und Thun, nach Hause in die warme Stube. Für die Leute von REDOG geht das Training noch bis am Nachmittag weiter. Auch die Hunde und ihrer Führer haben von diesem Besuch profitiert. So konnten sie mal Kinder suchen und anzeigen, was für einige Hunde eine neue Erfahrung war.

Tatiana Lentze

Leiterin Jugendtierschutz

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