Die Bubos in der Wildstation

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Die Bubos besuchen die Stiftung Wildstation in Utzenstorf beim Schloss Landshut

Zum erstem Mal mit den Bubos unterwegs

Knapp zwei Stunden vor Abfahrt kommt die letzte Anmeldung für den Ausflug am Nachmittag von einem spontanen neuen Bubo-Mädchen. Bis anfangs Jahr hat Tatiana Lentze den Bubo-Club geleitet. Nun bin ich also die „Neue“. Ich treffe mich am 14. Mai mit 9 Bubos beim Bahnhof Bern zum Ausflug „Bubo bei der Wildstation Landshut“. Ich freue mich und bin gespannt, was wir alles gemeinsam erleben werden! Wie sich bald herausstellt, bin nicht nur ich zum ersten Mal mit den Bubos unterwegs. Da sind einige Kinder, welche neu im Bubo-Club sind. Marion Roth begleitet uns. Sie hat über mehrere Jahre beim Schulprojekt „Prevent a Bite“ als Hundeführerin mitgewirkt. Auch für sie ist es der erste Ausflug mit den Bubos.

Unterwegs nach Utzenstorf haben wir ein wenig Zeit, uns etwas kennen zu lernen. Die meisten Kinder kommen rasch untereinander in Kontakt. Nach einem kurzen Fussmarsch durchs Dorf erreichen wir das idyllisch gelegene Schloss Landshut. Hier treffen wir drei weitere Bubos.

Zu Besuch bei der Wildstation Landshut

Wir werden bereits von Ramona Kunz erwartet. Sie ist Tierpflegerin und führt uns durch die Station. Los geht’s beim öffentlichen Lehrpfad. Hier bekommen wir ganz viele Informationen zum Igel. Obwohl sich die Sonne pünktlich zu Führungsbeginn zeigt, ist der Boden kühl. Wir berühren ihn. Er ist wahrscheinlich etwas mehr als 5 Grad warm. Ramona erzählt uns, dass Igel während der Winterruhe ihre Körpertemperatur auf 5 Grad reduzieren, um so Energie zu sparen.

Hinter einer Schilfmatte befindet sich eine Voliere, in der ein junges Eichhörnchen herumturnt und sich immer wieder eine Zwischenverpflegung gönnt. Es knabbert, springt und klettert herum. Rasch werden die Gucklöcher in der Schilfmatte gefunden und das quirlige Tier zieht die Blicke der Kinder auf sich. Obwohl dieses Eichhörnchen hier in der Wildstation mit der Flasche aufgezogen wurde, ist es nicht handzahm. Die Pfleger kümmerten sich jeweils nur zur Fütterungszeit um das junge Tier, denn es soll sich nicht an Menschen gewöhnen. Das Ziel ist es, alle Wildtiere, welche hier aufgezogen oder gesund gepflegt werden, danach wieder auszuwildern.

Ramona erklärt uns, dass dies nicht bei allen Tieren möglich ist. Fleischfressende Tiere (Karnivoren) wie der Fuchs, Marder oder Dachs binden sich bei der Aufzucht zu stark an den Menschen, dass sie wieder ausgewildert werden könnten.

Dann erzählt uns Ramona von der Dachsdame „Lilli“, welche einen Platz im Tierpark Goldau gefunden hat. „Wer einmal dort ist, muss einfach „Lilli“ rufen und sie wird kommen“, meint sie lachend. Es ist erkennbar, dass nicht nur „Lilli“ ihr Herz an den Menschen gebunden hat, sondern auch Ramonas Augen leuchten, als sie von diesem besonderen Dachs erzählt.

Wir erfahren bald, dass hier Glück und Leid nahe beieinander liegen. Wenn die Auswilderung nach der Aufzucht nicht mehr möglich wäre oder das Tier in der Schweiz nicht einheimisch ist (wie etwa der Waschbär oder Marderhund) werden die Tiere eingeschläfert. …ausser, wie im Fall von „Lilli“, wenn sich in einem Tierpark einen Lebensplatz finden lässt. Oft kommt für kranke Tiere die Hilfe zu spät.

Nun gibt es etwas anzufassen: Ramona lässt die Kinder verschiedene Felle von Tieren tasten und zuordnen. Welches ist vom Fuchs, Reh oder vom Dachs?

Die echten Bubos zeigten sich nicht

In den öffentlich zugänglichen Volieren zeigt uns Ramona verschieden Vögel mit einer unglücklichen Vergangenheit. Diese Vögel können nicht mehr ausgewildert werden. Ich freue mich auf die Uhus, denn schliesslich sind wir mit dem Bubo-Club unterwegs…! Bubo bubo ist der lateinische Name für den Uhu. Nun haben sich aber die beiden gefiederten Bubos in der hintersten Ecke ihrer Voliere verkrochen. „Die schmollen immer noch, da ich sie heute Morgen mit einem Netz einfangen habe“, meint Ramona, denn sie musste das Gehege der Uhus misten.

Jetzt geht’s hinter die Kulissen der Wildstation. Hier dürfen wir die scharfen präparierten Krallen von einem Falkenfuss anfassen. Die der Bubos sind noch um einiges stärker. Beeindruckend! Ramona zeigt uns ein Gewölle, in dem sogar Stacheln von einem Igel zu erkennen sind.

Als nächstes durften wir den neugierigen „Max“ kennen lernen. Er lässt sich auch durch eine Gruppe Kinder nicht beeindrucken, die ebenso neugierig vor sein Gehege drängeln. Max ist ein Murmeltier. Er ist zu zahm, dass er in der Natur eine Chance zum Überleben hätte. Daher ist er zusammen mit seiner Murmeltierfreundin hier in der Wildstation.

„Lehrschwimmbecken“ für Enten

Hast du gewusst, dass junge Enten im Wasser untergehen können? Ich bis jetzt nicht. Daher erstaunt es mich, als wir bei den jungen Enten, welche hier aufgezogen werden, „Lehrschwimmbecken“ antreffen. Das Wasser ist nur einige Zentimeter tief. Ramona erklärt, dass die jungen Enten in der Natur häufig unter die Federn der Eltern kriechen. So werden sie gewärmt und geschützt. Ein weiterer positiver Nebeneffekt dabei ist die Übertragung von Gefiederfett vom Elternvogel auf die Jungen. Erst mit Hilfe von diesem Fett sind die Enten in der Lage zu schwimmen, ohne dass ihr Gefieder dabei durchweicht wird. Bis eine junge Ente selber genügend Gefiederfett produziert um schwimmen zu können, vergehen einige Wochen.

Bei uns verfliegt die Zeit im Nu und wir sind schon seit einer Stunde gemeinsam in der Wildstation unterwegs. Bevor wir uns bei Ramona für diese spannende Führung bedanken können, hat sie noch eine Überraschung für uns bereit. Sie verschwindet rasch im Gebäude und kommt mit Gartenhandschuhen und einer trächtigen Igeldame zurück. „Vorsicht, einige Igel beissen!“, sagt sie noch, bevor die Kinder einmal die spitzen Stacheln anfassen dürfen. Die Igeldame nimmt es erstaunlich gelassen. Schliesslich ist und bleibt sie ein freilebendes Tier und kein Streicheltier.

Es reicht gerade noch für ein Zvieri und dann heisst es auch schon wieder den Heimweg anzutreten…

Müde erreichen wir Bern. Müde, aber um einige Eindrücke und Wissen reicher. Es hat Spass gemacht! Danke Bubos, Ihr seid toll! Ich freue mich bereits, einige von Euch im Tierheim oder bei einem anderen Ausflug wieder zu sehen. Bis dahin wünsche ich Euch eine gute Zeit!

Rahel Gubler, Leiterin Jugendtierschutz Bern