Ein kleiner (B)ENGEL

Als ich am Samstag den 30. Juli 2005 Nachmittags mein altes Büro verliess, wo ich meinen Nachfolger noch so gut es ging einzuarbeiten versucht hatte, freute ich mich riesig auf den 1. August, meinen ersten Arbeitstag als neuer Lehrling im Tierheim.

Dennoch oder gerade deswegen konnte ich auch der Versuchung nicht widerstehen noch kurz ins Tierheim zu fahren um dort zwei Hunden, die mir besonders ans Herz gewachsen waren, noch einen kleinen Besuch abzustatten.

Als ich die Beiden dann verliess traf ich Sabine Andrey im Flur und sie erzählte mir, dass sie gerade noch einen kleinen Neuankömmling erhalten hätten. Ob ich ihn kurz sehen möchte? Natürlich wollte ich! Als Sabine dann die Türe zum Kleintierraum öffnete und ich den kleinen, süssen, kulleräugigen Welpen dort auf dem Boden sah, war ich bereits hin und weg von diesem herzigen Tierchen.

Der Kleine war von einer Familie, die im Kosovo in den Ferien gewesen war, einfach mit nach Hause genommen worden. Er wurde ihnen jedoch sehr schnell zuviel. leider überlegen sich ja viele Leute nicht im voraus wie viel so ein Welpe braucht und auch zu tun gibt.

Da das Tierarzt-Team vom Tierheim ausnahmsweise nicht da war, die Oberhundemama Marina Tulinski auch mal frei hatte und auch sonst gerade viele Hunde im Hundehaus auf ein neues Zuhause warteten, durfte ich zu meiner riesigen Freude den kleinen Stinker, der inzwischen den Namen Scooter erhalten hatte, mit nach Hause nehmen. Vom Tierheim aus hatte ich bereits mit dem Tierarzt unseres Dorfes einen Termin gemacht und konnte noch am selben Nachmittag mit Scooter zur Kontrolle und Entwurmung vorbei gehen. Trotz seines sehr aufgeschwollenen Bäuchleins war er glücklicherweise in einem recht guten Zustand.

Die erste Nacht mit dem herzallerliebsten Stinkerchen, war dann auch ein richtiges „Erlebnis“. Obwohl ich fast die halbe Wohnung mit Zeitungen abgedeckt hatte, da der arme Kerl den ganzen Inhalt seines riesigen Bächleins nach und nach loswurde, fand ich immer wieder auch sonst noch ein kleines „Andenken“ von ihm. Und natürlich stanken seine halbflüssigen Häufchen absolut unbeschreiblich gut. Keine Ahnung was der Kleine da alles in sich hatte um solch einen intensiven und unnachahmbaren Gestank zu fabrizieren…… Gott sei dank normalisierte sich seine Darmtätigkeit im Verlauf des zweiten Tages und man merkte es dem kleinen Schatz auch an, wie viel besser es ihm langsam ging.

Mein Rüde Rover, den einige von euch sicher auch aus seinem Tierheimjahr in Oberbottigen noch kennen werden und der nun seit dem 13.12.04 bei mir Einzug gehalten hat, hat sich sofort rührend mit dem Kleinen angefreundet und es war niedlich anzusehen wie der Kleine die Aufmerksamkeit seines neuen „Ersatzpapis“ genoss. Die Zwei spielten so süss miteinander und beim Spazieren gehen klebte der Kleine wie ein Schatten an Rover und machte so gut er konnte alles seinem grossen Vorbild nach. Da er noch nicht so lange laufen durfte, nahm ich ihn zeitweise hoch und trug ihn in einem Tuch mit, dass ich wie ein Babytragetuch um mich gewickelt hatte. Scooter fand dies jedoch alles andere als toll und rebellierte anfangs mit voller Kraft dagegen, da doch auch Rover noch immer am herumspringen war. Aber meistens überkam ihn dann doch die Müdigkeit und so ergab er sich seinem Schicksal.

Da bei Scooter später festgestellt wurde, dass er Demodex ( eine Haarbalgmilbenkrankheit, die nur von der Mutterhündin an die Welpen weitergegeben werden kann) hatte, verbrachte er zirka einen Monat bei uns. In diesem Monat ist der kleine Schatz unglaublich gewachsen und ich musste das Schlafkörbchen, in dem man ihn anfangs fast suchen musste, bald gegen ein grösseres austauschen, da er im alten fast keinen Platz mehr hatte und auch das herumtragen im Spaziertuch war nicht mehr ganz so einfach, da er auch recht an Gewicht zugenommen hatte.

Er hatte, wie es sich für einen Welpen gehört unglaublich viele Flausen im Kopf und zuhause konnte er vom Spielen mit mir und seinem Ersatzpapi nie genug bekommen. Sobald wir jedoch an meinen Arbeitstagen im Tierheim ankamen und ich ihn in sein Körbchen legte, war es als ob ich einen anderen Hund dabei hätte. Scooterli war der allerliebste, allermüdeste und immer schlafende Engel. Ich glaube er holte sich so die ganze Energie, die er brauchte um dann, kaum waren wir wieder zuhause angekommen, so richtig loslegen zu können…….. da wurde aus dem kleinen Engel manchmal schnell ein kleiner Bengel. Wir alle drei haben diese Zeit sehr genossen und ich bin sehr dankbar, dass ich Scooter für diese Zeit zu mir nehmen durfte. Ich habe unglaublich viel gelacht und auch viel durch ihn gelernt.

Leider habe ich ja Rover nie als Welpe erleben dürfen und dadurch habe ich es umso mehr genossen diese Zeit mit Scooter verbringen zu dürfen.

Sehr froh bin ich auch, dass Scooter bei einer sehr sympathischen und lieben Familie ein neues Zuhause gefunden hat. So wurde mir die Trennung von ihm sehr viel leichter gemacht und die vielen schönen Erinnerungen an Scooter werden mich immer an die Anfangszeit meiner Lehre im Tierheim erinnern. Leider haben wir es erst einmal ganz am Anfang geschafft ihn zu besuchen, aber ich bin schon sehr gespannt wie gross der „Kleine“ bei unserem nächsten Besuch sein wird.

Scooter wurde übrigens von seiner neuen Familie in Wilson umgetauft und ich bin überzeugt, dass er bei seinen neuen Besitzern ein sehr schönes Leben verbringen darf. Das hat der kleine (B)Engel ja auch wirklich verdient.

Gaby Moser
eidg.dipl. Tierpflegerin