Ein Tag bei den Eseln und Pferden vom Mösli-Team

Am Morgen des 28. August treffen sich 15 Bubos am Treffpunkt im Bahnhof Bern. Ich werde bei der Betreuung der Kinder durch eine unserer auszubildenden Tierpflegerinnen Stephanie Spring unterstützt. Mit dem Zug geht’s nach Wynigen, wo ein weiteres Bubomitglied zusteigt, dann mit dem Postauto Richtung Grasswil, wo nochmals drei Bubos dazukommen. Unser Ziel ist der Eselhof vom Mösli Team. Unterwegs wird schon viel Wissen rund um Pferde und Esel ausgetauscht, werden Geschichten und Erlebnisse erzählt. Wie zu erwarten war, sind die Mädchen an diesem Tag deutlich in der Überzahl. Von der Postautostation geht es zu Fuss zum Eselhof. Den Weg dorthin müssen wir nicht suchen, da im selben Postauto einige junge Frauen mit unverkennbaren weissen T-Shirts mit der Aufschrift „Mösli-Team“ sitzen. So brauchen wir nur hinter ihnen herzulaufen. Auf dem Hof werden wir durch Edith Müller begrüsst.

Auf der Weide grasen einige Esel, aber auch zwei Pferde sind zu sehen, was unsere kleinen Pferdespezialistinnen sehr erfreut. Vor dem gedeckten Sitzplatz steht ein grosser aufgezäumter und gesattelter Esel aus Holz. Sofort wird er von den Bubos in Beschlag genommen. Eigentlich gibt es den ganzen Tag nur wenige Minuten, bei dem er nicht einen bis mehre Reiter tragen muss.

Edith Müller geht mit uns auf die Weide und stellt jedes Tier vom Mösli-Hof vor. Da ist der gar nicht so kleine Piccolo, ein Grosseselwallach von 9 Jahren, der einen schlechten Start im Leben hatte. Er wurde von Müllers von einem schlechten Platz übernommen. Piccolo hatte mehrere entzündete Wunden, war total abgemagert und hatte mit Menschen bisher noch wenig gute Erfahrungen gemacht. Müllers mussten ihn pflegen, aufpäppeln und das Vertrauen zu Menschen langsam aufbauen. Jetzt ist er ein wunderschöner Esel mit extrem grossen, sanften Augen. Menschen, vor allem Männer und unbekannte Dinge machen ihm immer noch Angst, umso mehr scheint er sich zu Kindern hingezogen zu fühlen. Er wird nie müde, seinen Kopf zum Stall raus zu halten, damit die Kinderhände ihn hinter den Ohren kraulen können.

Und da ist noch Silas, ein kleiner brauner Zwergeselwallach. Wer kennt sie noch, die Geschichte von dem kleinen frechen Jungen Silas, der ausreist und mit Geschick und Kleverness sein Leben meistert? Genau so scheint es sein Namensvetter mit den langen Ohren zu machen. Auch er stammt aus einer schlechten Haltung. Aus Langeweile hat er sich aufs Türöffnen spezialisiert. Keine Türe ist vor ihm sicher. Dann ist da noch Christina, eine eigenwillige Zwergeselstute, mit einem empfindlichen Bauch, so dass man beim Putzen besonders sorgfältig sein muss und dann sind da noch die zwei Hauseselstuten Lilo und Jamayca, die Freibergerstute Virginia und die New Forest Kleinpferdstute Adrienne. Von jedem Tier erfahren wir seine Lebensgeschichte, wie es bei Müllers gelandet ist, was seine Vorlieben und Eigenheiten sind.

Edith Müller erklärt uns die Unterschiede in der Haltung von Eseln und Pferden, haben sie doch sehr verschieden Ansprüche was zum Beispiel Bodenbelag oder Fütterung anbelangt. Leider ist das vielen Eselhaltern zu wenig bekannt und es werden oft Fehler gemacht, was zu schlimmen, schmerzhaften und zum Teil tödlichen Huf- oder Verdauungsproblemen führen kann. Sie erklärt, wie es zum Vorurteil gekommen ist, dass Esel stur seien. Bei Gefahr oder Unsicherheit bleiben Esel stehen, im Gegensatz zu Pferden, welche flüchten. So haben wir schon nach kurzer Zeit das Gefühl, die Tiere ein wenig zu kennen und zu verstehen.

Danach werden uns auch die jungen Frauen aus dem Bus vorgestellt. Die Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren sind vom Jugendclub „Mösli-Team“, Mädchen die regelmässig auf dem Hof helfen. Sie kennen die Tiere gut und werden uns den ganzen Tag begleiten und jeweils eine Gruppe von Bubos mit einem Tier betreuen. Die Bubos werden gruppenweise einem Tier zugeteilt, wobei auf Grösse und Vorlieben der Kinder geachtet wird. Danach wird in der Gruppe das vorher gehörte Wissen anhand eines Fragebogens geprüft.

Schon ist Mittag und wir essen unser Pick-Nick im Unterstand, da das Wetter inzwischen recht kühl und unfreundlich geworden ist.

Endlich werden die Tiere von den Kindern aus dem Stall geholt und jedes an seinem Platz angebunden. Dort werden sie gebürstet, gestriegelt, Staub gesaugt, die Augen und Nüstern werden gewaschen und die Hufe ausgekratzt. Manch einer staunt, wie hart Erde in einem Huf festsitzen kann und wie schwer es ist, sie dort raus zu kratzen. Die zwei Pferde und ein Teil der Esel werden gezäumt und gesattelt. Bald stehen alle Tiere bereit. Die Helferinnen ziehen sich leuchtgelbe Warnwesten an, die Bubos werden mit Helm und Sturzweste ausgestattet. Sicherheit muss sein. Nun geht es los. Immer ein Kind darf auf „seinem“ Esel oder Pferd reiten, ein anderes führt zusammen mit einer Jugendlichen aus dem Mösli-Team, welche immer ein wachsames Augen auf die Tiere haben und sofort einspringen, wenn eine Pferdenase den saftigen Gräsern am Wegrand doch zu nahe kommt oder ein kleiner frecher Esel nicht einsieht, wieso er nicht an den Zweigen aus dem Garten knabbern darf. Nach einer Weile werden die Posten getauscht. So geht es quer durchs Dorf, über Wiesen und am Waldrand entlang. Zusätzlich hat die Gruppe noch die Aufgabe nach giftigen Pflanzen Ausschau zu halten und sie zu pflücken. Da tun sich doch einige Lücken auf…. Im Dorf laufen wir an vielen gefährlichen Pflanzen vorbei. Buchs, Eibe, Kirschlorbeer, Goldregen, Efeu…. scheinen den Kinder keine Begriffe zu sein. So fällt dann die Ausbeute recht mager aus. Zum Glück haben Edith Müller und ich fleissig gesammelt ☺.

Wieder auf dem Hof gibt es keine Pause. Die Tier müssen abgesattelt, gebürstet und versorgt werden. Danach geht es zur Stallarbeit. Pferde- und Eselmist auf der Weide und im Auslauf zusammenlesen, die Boxen frisch einstreuen und die Futterrationen bereit machen. Einige Bubos verschwinden auf der Heubühne, wo sie das Heu aufschütteln und es in grosse Säcke verpacken. Danach werden die Tiere in ihren Stall geführt und gefüttert. Zufrieden kauen sie auf ihrem Futter rum. Nur Piccolo steckt immer wieder den Kopf heraus, um seine Streicheleinheiten zu bekommen.

Endlich Pause, es gibt ein feines Zvieri. Die Giftpflanzen werden angeschaut und schon sind wir fast am Ende von unserem Tag. Am Schluss gibt es noch eine Überraschung für jedes Kind. Edith Müller schenkt jedem Kind einen Schlüsselanhänger aus gefilzten Haaren von „seinem„ Esel oder Pferd.

Zurück geht es mit Bus und Zug Richtung Bern. Unterwegs entsteht eine Aufregung. Einem Mädchen fehlt der Schlüsselanhänger aus „Silashaar“. Bevor es zu einem kleineren Drama kommt, kann der Anhänger zuunterst im Rucksack geortet werden. Im Bahnhof werden wir von den Eltern erwartet.

Müde Bubos haben ihren Eltern viel zu erzählen und auch Stephanie und ich werden heute einen ruhigen Abend verbringen.

Liebes Mösli-Team, vielen Dank für diesen spannenden Tag, bei dem wir viele kleinere und grössere Persönlichkeiten mit individuellen Bedürfnissen, Eigenheiten, Geschichten und Gemütslagen kennengelernt haben.

Tatiana Lentze

Leiterin Jugendtierschutz

www.eselmueller.ch

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