Erste-Hilfe-Kurs für Tiere

Tiere in unserer Obhut werden gehegt und gepflegt und doch gibt es Unfälle und Krankheiten, die es zu erkennen und zu behandeln gilt. Deshalb trafen sich am 22. November 2008 am morgen in Hinterkappelen in der Praxis von Linda Hornisberger 10 neugierige Bubos, die bereit waren, sich einen halben Tag mit der ersten Hilfe am Tier auseinander zu setzen. Da es so viele Anmeldungen gegeben hatte, wurde der Kurs an diesem Tag zweimal durchgeführt.

Zuerst wurde auf ein grosses Blatt Papier notiert, was überhaupt ein Notfall ist. Sehr schnell wurde klar, Notfälle hören nicht nach dem Autounfall und stark blutenden Wunden auf. Nein, auch ein Kaninchen, das nicht frisst, ein Hund oder eine Katze die Durchfall haben und erbrichen, kann ein Notfall sein. So füllte sich das Blatt schnell mit allen Arten von möglichen Notfällen wie Wunden, Atembeschwerden, Vergiftungen, Stromschlägen, Fieber, Durchfall, Magendrehung, Allergien, Schock, Hitzestau, Erfrierungen, Austrocknen, nicht fressenden Nagetieren…

Dann galt es zu überlegen, wie man vorgeht, wenn man so einen Notfall behandeln soll. Wichtig ist die eigene Sicherheit! Also bei einem Autounfall nicht einfach auf die Strasse rennen, um das Büsi zu retten. Allen Kindern ist auch klar, dass ein verletzter Hund oder eine verletzte Katze, auch wenn es das eigene Tier ist, unter Schmerzen und Angst ganz anders reagieren kann, als sie dies normalerweise tun würden und sie auch ihre eigene Familie beissen können. Also: immer Erwachsene beiziehen und den Hund evtl. mit einem Maulkorb sichern, was die Kinder an einem grossen Stoffhund üben konnten. Damit es für den Hund nicht ein zusätzlicher Stress bedeutet, macht es Sinn den eigenen Hund schon vorgängig an einen Maulkorb zu gewöhnen. Auch das wurde mit unseren lebendigen vierpfotigen Helfern gezeigt, welche begeistert die Guddelis aus dem Maulkorb frassen.

Was macht eigentlich Durchfall und Erbrechen zum Notfall? Ach ja, der grosse Flüssigkeitsverlust, welcher zu Kreislaufproblemen führt. Kreislauf? So arbeiteten wir uns langsam durch Kreislauf, Schock, Schleimhäute beurteilen, Puls fühlen, Herz abhören und vieles mehr. Geduldig liessen sich unsere pelzigen Helfer den Puls an der Innenseite des Schenkels fühlen, was gar nicht so einfach war, aber nach einigem Suchen allen gelang. Mit dem Stetoskop konnte das Hundeherz (und das eigene) deutlich gehört werden, was einige erstaunte Blicke zur Folge hatte („Was, so lut? Das tönt ja wie e Maschine!“). Ja, noch das Thema Schleimhäute… Was ist das überhaupt und was sagen sie uns? Am einfachsten sind sie beim Hund im Maul zu beurteilen und geben uns Auskunft über Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Tieres. Blau, bleich, rosa? Blau bei Sauerstoffmangel, bleich wenn die Durchblutung nicht mehr stimmt oder doch umgekehrt? Buh, alles gar nicht so einfach. Da ist eine stark blutende Wunde direkt einfach, dass das ein Notfall ist, ist klar. Nur was macht man damit? Bei blutenden Wunden muss man mindestens fünf Minuten mit einem Tuch, Tupfer oder etwas ähnlichem drauf drücken, ohne immer zu schauen ob es noch blutet, sonst werden die ganzen blutstillenden Strukturen immer wieder weggerissen und es beginnt immer wieder zu bluten. Aha, hätten Sie das gewusst? Sauberkeit spielt in diesem Fall nicht so eine Rolle, denn die Gefahr einer Infektion ist zweitrangig. Danach muss ein fester Verband drüber gelegt werden und das Tier zum Tierarzt gebracht werden. So ein Verband ist gar nicht so einfach, vor allem wenn sich das „verletzte“ Tier nicht ganz ruhig halten will, die Watterolle einem immer wieder aus den Händen rutscht, der Verband aussieht wie ein Vogelnest und die Zehen unten immer wieder rausschauen. Aber auch hier gibt es Tricks, wie man einen Hund festhält, damit er nicht wieder aufstehen kann und sich ruhig verhält. Sehr schnell setzten die Kinder die gezeigten Griffe mit unseren gutmütigen Vierbeinern um. Schlussendlich haben alle Hunde hübsch verbundene Pfoten und tragische Gesichter. Natürlich werden sie mit vielen Streicheleinheiten und Guddelis getröstet.

Wieso ist eine Katze, die einen Tag nicht frisst kein Notfall, wenn aber ein Kaninchen oder Meerschweinchen einen Tag nicht frisst, muss man unbedingt zum Tierarzt? Staunend hörten die Kinder, dass das Verdauungssystem von Nagern ganz anders funktioniert und diese Tiere den ganzen Tag immer wieder Nahrung zu sich nehmen müssen und man deshalb nicht bis zum nächsten Tag warten darf. Sehr schnell sind die 2 Stunden vorbei und ich denke, die Kinder haben viel Neues über die erste Hilfe bei Tieren gelernt, in der Hoffnung, dass sie ihr Wissen nicht so schnell bei ihren eignen Tieren anwenden müssen.

Vielen Dank auch unseren zwei- und vierbeinigen Helfer. Marina Tulinski mit Toni, Marianne Reichen mit Lulu, Linda Hornisberger mit Shannon, Sky und Susi und meine zwei Hunde, Dunja und Mellow.

Tatiana Lentze

Leiterin Jugendtierschutz

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