Feuer- und Feuerwerksverbot im ganzen Kanton Bern

Die zaghaften Regenschauer der letzten Tage waren im wahrsten Sinne bloss ein Tropfen auf den heissen Stein: Weil die Böden weiterhin sehr trocken sind, erlassen die Berner Regierungsstatthalter ab sofort und bis auf Widerruf zum ersten Mal überhaupt ein kantonsweites, generelles Feuer- und Feuerwerksverbot im Freien. Das Verbot gilt auch auf Privatgrundstücken sowie für den 31. Juli und den 1. August.

Dass das Feuerverbot bis zum Nationalfeiertag aufgehoben wird, ist unwahrscheinlich. Damit die extrem trockenen Wälder und Felder nicht mehr gefährdet wären, müsste es über längere Zeit intensiv regnen. Die Wetterprognosen sehen bis Ende nächster Woche aber keine solchen Regenphasen vor.

Gegen Feuerwerkstouristen

Somit wird auch der Himmel über der Stadt Bern dunkel bleiben. Wie Christoph Lerch, Regierungsstatthalter Bern-Mittelland sagt, ist vom Verbot auch das Feuerwerk auf dem Gurten betroffen. Die organisierten öffentlichen Anlässe der kommenden Tage auf dem Bieler-, Thuner- und Brienzersee hingegen können stattfinden, weil die Abstände zum Ufer mindestens 200 Meter betragen. Das Gurten-Feuerwerk auf die Aare zu verlegen, ist somit keine Alternative.

Mit dem Verbot reagiert der Kanton auch auf ein Phänomen, mit dem er in den letzten Tagen zu kämpfen hatte: Da in den umliegenden Kantonen Freiburg, Solothurn, Aargau, Luzern und Wallis bereits ein Feuerverbot herrscht, pilgerten immer mehr Leute in den Kanton Bern, um zu feuern und ihre Raketen fliegen zu lassen. Diesem Feuerwerkstourismus habe man entgegenwirken wollen, sagt Lerch. Betroffen war vor allem das Grenzgebiet, konret sind Lerch Vorfälle in Laupen, Kallnach und Wiedlisbach bekannt. Passiert sei zum Glück nie etwas, weil die Leute verantwortungsbewusst gewesen seien.

Schwierig durchzusetzen

Letztmals verhängten die Regierungsstatthalterämter unabhängig von einander im Frühling 2011 ein Feuerverbot. Doch nicht einmal im Hitzesommer von 2003 blieb der Himmel über dem ganzen Kanton Bern dunkel. Damals erliessen lediglich einzelne Regierungsstatthalter gewisse Massnahmen. Im damaligen Amtsbezirk Bern etwa waren offizielle Feuerwerke, 1. August Feuer und Fackelzüge nur in Absprache mit den Behörden und der Feuerwehr erlaubt. Ein totales Verbot wäre kaum umsetzbar, sagte die damalige Regierungsstatthalterin Regula Mader.

Dem pflichtet der heutige Amtsinhaber bei. «Die Kantonspolizei kann lediglich auf Meldungen reagieren oder ausrücken, wenn sie Rauch sieht», sagt Lerch. Um aber auch kantonsinternen Feuerwerkstourismus zu verhindern, hätten sich die Statthalter für ein kantonsweites Verbot entschieden, obschon zurzeit etwa das Oberland weniger trocken ist als der Rest des Kantons. «Wir appellieren auch an den gesunden Menschenverstand.»

Bis zu 20’000 Franken Busse

Durchgesetzt wird die Massnahme laut Lerch «mit Augenmass»: Zuerst weist die Polizei Zündler auf das Verbot hin. Erst wenn diese weiterfeuern, müssen sie mit einer Busse von bis zu 20’000 Franken rechnen. Falls ein Brand ausbrechen würde, machen sie sich strafbar. Auf Brandstiftung stehen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

Nebst dem Verbot will der Kanton weiterhin mit präventiven Massnahmen Brände verhindern. Dazu gehören die gelben Plakate, die darauf hinweisen, kein Feuer zu entzünden. Zudem kontrollieren die Forstwarte die öffentlichen Feuerstellen häufiger und die Feuerwehren sind sensibilisiert.

Kein Feuerwerkverkauf bei Migros, Coop oder Landi

Wilfried ‹Knallfred› Burri ist traurig. «Es ist schade, dass es dieses Jahr keine glänzenden Augen wegen des schönen Feuerwerks geben wird», sagt der Feuerwerkfachmann und -verkäufer. Auch finanziell sei das Verbot für ihn schmerzhaft, aber: «Ich habe immer Verständnis, wenn es um Sicherheit geht.» Den geplanten Verkaufscontainer auf dem Waisenhausplatz, extra für den 1. August, wird er nun nicht eröffnen. Seine Kunden an der Monbijoustrasse, wo Knallfred das ganze Jahr Feuerwerk verkauft, weise er klar und deutlich auf das Verbot hin, sagt er.

Eigentlich hätte Migros Aare heute mit dem Verkauf von Feuerwerk beginnen wollen. Doch wegen des Verbots wird der Verkauf gar nicht erst gestartet, sämtliches Feuerwerk geht von den Filialen zurück an den Lieferanten. Laut Migros-Sprecherin Andrea Bauer entgeht dem Detailhändler dadurch eine grössere Summe. «Wir haben aber Verständnis für den Entscheid, man sieht ja wie trocken es ist», so Andrea Bauer.

Grundsätzlich hatte auch Coop den Start des Feuerwerksverkaufs für heute geplant, doch er wurde im Kanton Bern gestoppt. «Wir von Coop wollen selbstverständlich auch unseren Beitrag leisten, um mögliche Schäden durch Feuer beziehungsweise Feuerwerk zu vermeiden», sagt Mediensprecherin Nadja Ruch.

Die Landi Schweiz AG hat bereits Feuerwerk an die einzelnen, unabhängigen Landi Läden ausgeliefert. Wie Mediensprecherin Sonja Schild sagt, rät Landi Schweiz den Berner Läden aber dringend vom Feuerwerksverkauf ab.

Erstellt: 23.07.2015, 19:07 Uhr, Berner Zeitung BZ

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