Hund und Katze in einer Familie

Vom Hundebesitzer zum Katzenbesitzer wurden wir, nach dem unsere Rottweilerhündin „Asta“ uns altershalber für immer verlassen hatte. Für uns war klar, dass wir nach dem Tode unserer „Asta“ wieder ein Haustier anschaffen möchten. Da vor allem ich die Trennung von meinem über Alles geliebten Hund zuerst verschaffen musste, war für mich klar, dass unser nächstes Haustier kein Hund sein würde. Vielleicht eine Katze oder gar zwei? Mein Mann wuchs mit einer Katze auf und mochte diese Tiere schon immer. Er war von diesem Gedanken sofort Feuer und Flamme. Unsere Tochter fühlte sich schon als Baby immer sehr zu Katzen hingezogen. Somit war klar, dass wir einer Katze oder am liebsten gleich zwei Katzen ein neues Zuhause bieten wollten. Für uns kam nur eine Langhaarkatze in Frage, da mir diese schon immer gefallen hatten. Da es in unserem Tierheim nur sehr selten Langhaarkatzen gibt, machten wir uns im Internet auf die Suche nach einer oder zwei für uns geeigneten Katzen. In Tierheimen schienen im Moment nur kurzhaarige Katzen ein neues Zuhause zu suchen. Also berücksichtigten wir zwei Inserate von Privatpersonen. In einem Inserat wurde wegen Allergie für einen heiligen Birmakater, 6 jährig, ein neues Zuhause gesucht. Im anderen Inserat suchten wegen Wohnungswechsel zwei Ragdolls eine neue Bleibe. Wir machten mit beiden Noch-Katzenbesitzern einen Termin ab und gingen die Tiere anschauen. Zuerst schauten wir uns den Birmakater an. Dieser gab sich uns gegenüber sehr kühl und reserviert. Mit seinen schönen blauen Augen fixierte er uns und „Platsch“, plötzlich legte er sich meinem Mann zu Füssen! Dieser kraulte ihn ausgiebig und ich glaube, dabei war der Funke bereits bei beiden übergesprungen. Nun wollten wir trotzdem noch die beiden 2jährigen Ragdoll-Geschwister anschauen gehen. Diese waren von Anfang an beide sehr anhänglich und nicht so reserviert wie der heilige Birmakater Namens „Gin“.

Nach ausgiebiger Diskussion entschieden wir uns für „Gin“. Irgendetwas hatte er, dass uns von Anfang an fasziniert hat. Er hatte wohl das gewisse Etwas, wie man oft sagt. Die Noch-Besitzerin gab uns Auskunft, dass er sich gut mit anderen Katzen verträgt. Für sie war es vorstellbar, dass er sich später an eine zweite Katze gewöhnen würde. Kurze Zeit später durften wir also einen wunderschönen, stolzen heiligen Birmakater zu uns nehmen. Noch heute stehen wir mit der Vorbesitzerin in gutem Kontakt.

Im November 2007 brachte die Stadtpolizei Bern einen ca. 8 Wochen jungen langhaarigen Tigerkater zu uns ins Tierheim Oberbottigen. Der arme Kater wurde in einem Zug aufgefunden. Das Tier war voller Flöhe, Ohrmilben und war abgemagert. Im Tierheim gaben sie ihm den Namen „Moritz“. Als ich bei der Arbeit erfuhr, dass wir eine junge Langhaarkatze im Tierheim haben, wollte ich sie natürlich sofort sehen. Es war Liebe auf den ersten Blick! Wie er so da sass in der Quarantäne-Box, mich anschaute und jämmerlich miaute, war es um mich geschehen. Diese Katze wollte ich unbedingt haben! Freudig erzählte ich am Abend meiner Familie von dem kleinen „Moritzli“. Sofort war klar, dass wir diesem Häufchen Katze ein neues und liebevolles Zuhause schenken wollten. Wir waren gespannt darauf, wie unser „Gin“, der mittlerweilen 3 Monate bei uns wohnte und sich fabelhaft eingelebt hatte, auf den Neuankömmling reagieren würde. Hätte er ihn nicht akzeptiert, so hätten wir die junge Katze wieder zurück ins Tierheim bringen müssen. Erstaunlicherweise ging die Zusammenführung sehr gut und „Gin“ akzeptierte „Moritz“, dem wir den klangvolleren Namen „Nevio“ gegeben hatten, ab dem dritten Tag ohne jegliche Probleme. Glück gehabt! Nun war also unser Wunsch zwei Katzen zu haben in Erfüllung gegangen. „Gin“ entwickelte richtige Vatergefühle für „Nevio“. Er leckte ihn ab und draussen beschützte er ihn vor dem bösen schwarzen Kater, vor dem er vorher eigentlich immer Angst hatte. Dies imponierte uns und rührte uns sehr.

„Nevio“ ist sehr auf uns bezogen und ein richtiger Schmusetiger. Vor allem unsere Tochter hat grosse Freude an ihm, da dieser immer wieder den Kontakt zu ihr sucht. „Gin“ tut dies nicht. Er duldet zwar Kinder, sucht aber deren Nähe nicht. Am liebsten schmust er mit meinem Mann. Er ist seine Bezugsperson, obwohl er bisher bei einer Frau gelebt hatte.

Nach knapp zwei Monaten, nachdem „Nevio“ bei uns eingezogen war, bemerkten wir, dass er aus seinem Mund übel roch. Die Pflegerinnen im Tierheim und die Tierarztgehilfin beruhigten mich und sagten, dass dies beim Zahnwechsel vorkommen könne. Doch als der Mundgeruch immer schlimmer wurde und mir mein Bauchgefühl sagte, dass da etwas nicht stimmen kann, ging ich mit „Nevio“ zum Tierarzt. Was wir dann zu sehen bekamen war schlimm. Selbst der Tierarzt hatte so etwas noch nie gesehen. Die Milchzähne waren zwar von den nachfolgenden Zähnen aus dem Zahnfleisch gestossen worden, doch sie fielen nicht wie eigentlich üblich ganz aus dem Mund hinaus, sondern wucherten sich zum Teil in den Rachen hinein. Das ganze Maul war eine einzige entzündete Höhle. Seltsam fand der Tierarzt, dass „Nevio“ trotz den Schmerzen, die er haben musste, normal frass und total lieb und verschmust war. Mir kamen fast die Tränen und ich machte mir Vorwürfe, dass ich nicht eher mit unserem kleinen Sonnenschein zum Tierarzt gegangen war.

„Nevio“ musste in seinem zarten Alter von erst 5 Monaten bereits seine erste Operation über sich ergehen lassen. Ihm wurden die Milchzähne aus dem Mund operiert und ein Teil des Zahnfleisches musste weggeätzt werden. Nun hiess es Geduld haben und die Entzündung mittels Medikamenten in den Griff zu kriegen. Leider schritt die Heilung nur sehr langsam voran. Bei der Kastration im Alter von fast 7 Monaten wurde nochmals überlappendes entzündetes Zahnfleisch weggeätzt. Zahlreiche Tierarztbesuche folgten und wir probierten alles tiermedizinisch erdenklich Mögliche unserem Sorgentier zu helfen. Doch keine der unzähligen Behandlungen führten zur befriedigenden Genesung.

Trotz allem blieb unser „Nevio“ stets gut gelaunt, aktiv, verspielt, verschmust und brachte auch sehr gerne immer wieder lebende Mäuse mit nach Hause.

Mittlerweilen war mehr als ein Jahr vergangen und das Zahnfleisch von „Nevio“ war immer noch entzündet. Mal mehr, mal weniger. So konnte es nicht mehr weiter gehen und wir entschieden uns nun doch für die radikalste Lösung: „Nevio“ mussten alle Zähne gezogen werden. Ich entschloss mich in Absprache mit meinem Tierarzt dies von der Fachperson Frau Dr. Steinlin in Schliern machen zu lassen. Sie ist Zahnärztin und hatte genügend Erfahrung auf diesem Spezialgebiet.

Nachdem das Tierarztehepaar Steinlin sich „Nevio“ angeschaut hatte, machten wir den Termin ab. Dies war am 20.1.2009 der Fall. Die oberen und unteren Fangzähne durfte unser Jüngster behalten. Frau Dr. Steinlin teilte mir mit, dass unter den Zähnen Eiter gewesen sei und sich das Zahnfleisch nun beruhigen könne. Die Operation verlief gut und „Nevio“ erholte sich rasch davon. Es war erstaunlich wie schnell er bereits wieder essen konnte, so als wäre nie etwas geschehen! Im Moment bekommt „Nevio“ noch ein Medikament. Ziel ist es, ihm in Zukunft so wenig Medikamente wie möglich geben zu müssen. Eine Garantie, dass er nun absolut keine Beschwerden mehr haben wird, gibt es keine. Dies wussten wir bereits vor der Operation. Und doch ist es ein grosser Trost zu wissen, dass es ihm nun wesentlich besser geht. Im Nachhinein muss ich eingestehen, dass wir ihm schon, wie von unserem Tierarzt empfohlen, viel eher die Zähne hätten ziehen sollen. Doch irgendwie konnte ich mich mit dem Gedanken in seinem jungen Alter bereits alle Zähne zu ziehen nicht anfreunden. Im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer gescheiter…

Kürzlich brachte er sogar wieder eine um ihr Leben quietschende Maus nach Hause. Sie sehen also: auch ohne Zähne können Katzen Mäuse fangen. Die Maus wurde selbstverständlich wie immer tiergerecht eingefangen und wieder ins Freie gebracht.

In diesen 16 Monaten, die „Nevio“ bei uns lebt, waren wir 21 Mal beim Tierarzt. Kostenpunkt bis heute: Fr. 2‘200.-. Dies hat zwar unser Familienbudget arg strapaziert, doch wir haben es nie bereut „Nevio“ bei uns zu haben. Unser „Neviolino“ ist einfach UNBEZAHLBAR und wir würden ihn um keinen Preis mehr hergeben.

Seit einem halben Jahr lebt auch wieder ein Hund in unserem Haushalt: „Dana“. Die beiden Katzen und der Hund verstehen sich prächtig. „Nevio“ und „Dana“ liegen oft nebeneinander und so richtig lustig geht es bei uns Zuhause zu und her, wenn die beiden Tiere zusammen spielen. Manchmal macht sogar unser heiliger Birmakater dabei mit.

Nie hätte ich gedacht, dass das Zusammenleben von Hund und Katzen so harmonisch verlaufen kann. Umso mehr schätze ich unseren Tierhaushalt und bin überzeugt, dass unsere Tochter Vanessa viel davon profitieren kann.

Delia Schweizer
Sachbearbeiterin