Leserbrief vom 11.2.2015 im „Der Bund“ von unserer Präsidentin Dorothea Loosli

„Irrwegig“, Menschen mit Ratten zu vergleichen / Bund 11.2.15

Herr Frei versteigt sich im Interview rund um das Referendum gegen das neue Labor an der Uni Bern zur Aussage, dass der Berner Tierschutz das Ausbeuten von Tieren bloss humaner machen wolle. Vor diesem Hintergrund ist es mir ein Anliegen zu begründen, weshalb wir das Referendum nicht unterstützen:

Es ist einfach, zu sagen „Ich bin gegen Tierversuche, also will ich nichts damit zu tun haben“ – das nützt den Tieren am wenigsten. Unsere demokratische Gesellschaft lässt bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen Tierversuche zu und so finden sie statt – ob es uns gefällt oder nicht!

Die neu geplanten zentralen Ställe bedeuten für die Tiere eine Belastungsminderung, da sie keinen grossen Transporten (und Rücktransporten) mehr ausgesetzt sind. Durch die zentrale Einstallung ist auch die Überwachung der Tiere besser gewährleistet.

Zudem ist es uns wichtig, dass möglichst wenig Tiere importiert und Versuche nicht exportiert werden, Eine gute Versorgung und kompetente Überwachung ist unser Hauptanliegen, wenn die Gesellschaft schon grundsätzlich ja sagt zu Tierversuchen. Da sind zentrale Ställe in der Nähe der Arbeitsplätze der Tierversuchsdurchführenden ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Es ist so, dass endlich, nach langer Zeit der Kämpfe um gute Haltungsbedingungen Geld für Tiere in Tierversuchen vorhanden ist, Geld, um moderne Ställe zu bauen, die selbstverständlich den aktuellen Tierschutzgesetzgebungen entsprechen.

Bei dem Bau geht es also um eine Verbesserung für die Labortiere und deshalb stellen wir uns vom Berner Tierschutz nicht dagegen, da würden wir ja Unterschriften sammeln gegen den Tierschutz. Die Forschung wird gemacht, wenn das nicht im Rahmen einer kontrollierten, qualitätsgesicherten modernen Versuchstieranlage passiert – wo denn dann? Dann hat wieder jede Forschergruppe eine kleine Stallung im Keller, die keiner kontrolliert, wo am Wochenende nicht geschaut wird. Das steht dann weniger im Rampenlicht, aber den Tieren geht es bestimmt nicht besser!

 

Unabhängig davon sind wir aber sehr gerne bereit, die Grundsatzdiskussion, ob und wie viele Tierversuche es braucht, wieder neu aufzunehmen und zu führen. Lieber keine Tierversuche, aber wenn schon, dann unter optimalen Haltungsbedingungen. Opposition gegen die besseren Haltungsbedingungen ist nicht Tierschutz sondern Politik auf Kosten der Labortiere.

Dorothea Loosli-Amstutz

Präsidentin Berner Tierschutz

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