Sparmassnahmen bei der Wildhut

Sparmassnahmen bei der Wildhut: müssen verunfallte Wildtiere stundenlang leiden?

Röchelnd, qualvoll verenden müssten Rehe, Hirsche oder Füchse bis zum erlösenden Schuss vom Wildhüter, dies erklärte ein Mitglied an der diesjährigen Jahresversammlung des Berner Tierschutzes. Schuld seien Sparmassnahmen bei der Wildhut.

Der Verein fragte den kantonalen Jagdinspektor, Niklaus Blatter, und er gab zu bedenken, dass es tatsächlich nicht mehr wie früher sei, als der Wildhüter einfach ausrückte bei einem Wildunfall. Die Sparmassnahmen wirkten sich aus, es stünden heute fünf Wildhüterstellen weniger zur Verfügung: „Heute rückt von abends um sieben Uhr bis morgens um sieben Uhr grundsätzlich die Polizei aus und nicht mehr der Wildhüter. Jede Nacht stehen aber sechs Wildhüter im Piket bereit. Kann die Polizei ein Problem nicht selber lösen, verständigt sie nach wie vor den Wildhüter. Es ist klar: er kann nicht dieselbe Reaktionszeit haben wie früher, es dauert einen Augenblick bis er beim Unfallort sein kann. Der Piket-Wildhüter kommt unter Umständen von weit her.“ Die Reaktionszeiten seien heute länger als früher.

Aber er hält fest: „Dass Tiere stundenlang leiden bis sie elend zu Grunde gehen, diese Situation gibt es im Normalfall nicht. Die Polizei wird sehr wohl entscheiden, was zu tun ist – auch sie kann zwischen Tod oder halb lebendig unterscheiden. Probleme gibt es aber dann, wenn die Informationen des Autofahrers falsch oder unvollständig sind. Hier kann die Polizei helfen: Wer die Notruf-Nummer 117 oder 112 wählt wird Instruktionen erhalten. Durch Nachfragen wird zudem versucht, ein möglichst genaues Bild der Sachlage zu erhalten, um dann die richtigen Schlüsse zu ziehen. So oder so wichtig: die Unfallstelle muss abgesichert werden, wie bei einem anderen Unfall. Grundsätzlich funktioniert die Zusammenarbeit mit der Polizei gut.“

Und weiter stellt Jagdinspektor Blatter klar: „Man muss auch realistisch sein: Humpelt ein verletztes Tier in der Nacht in einen Wald hinein – das findet auch der Wildhüter schwer. Das Beste ist aber schon, wenn der Autofahrer wartet, um genau zu erklären, wo er das Tier angefahren hat. Die Polizei verfügt nicht über Waffen, die eine grosse Reichweite haben, dafür muss der Wildhüter mit seinem Gewehr kommen. Klar, der Wildhüter ist der Profi, er erlöst das Tier eben professionell. In vielen Fällen ist es vertretbar, dass die Polizei selber das Tier erlöst.“

Niklaus Blatter hält aber fest: „Es handelt sich um Einzelfälle, wenn man in Betracht zieht, wieviele Unfälle mit Wild passieren. Wichtig ist einfach, dass Unfälle sofort der Polizei gemeldet werden. Diese informiert ihre Kollegen draussen oder verbindet den Alarmierenden direkt mit dem Piket-Wildhüter. Aus Sicht des Tierschutzes gilt deshalb: lebt das Tier noch, muss es sofort gemeldet werden.“

Kurt Venner

Vorstandsmitglied

Journalist

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