Spurensuche

Am 13. Juni 07 trafen sich 14 Bubos vom Berner Tierschutz und etwa gleich viele Kraxies mit Doris Hermann vom Schweizer Tierschutz STS am Treffpunkt in Bern. Mit dem Postauto ging es bis in die Eymatt nach Hinterkappelen. Dort wurden wir schon von Peter Schlup, dem Wildschutzexperten vom STS erwartet. Ziel unseres Nachmittags war es, Tierspuren auf die Schliche zu kommen.

Oft leben Tiere mitten unter uns, ohne dass wir sie bemerken. Schon auf dem Weg zum eigentlichen „Suchort“ entdeckten wir mit Hilfe von Peter Schulp diverse Spuren und auch die dazu gehörenden Tiere. In Holzstapeln sichteten suchende Kinderaugen, Spinnennetze, Bohrgänge, kleine Haufen von Holzspänen, an Pflanzen wurden verpupte Insekten gefunden oder am Wegrand liegender Kot entdeckt, welcher sehr schnell Hunden zugeordnet werden konnte. Danach teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Eine Hälfte blieb bei mir am Bachbett und wir suchten im und um den Bach nach Tieren und ihren Spuren. Die faszinierende Köcherfliege wurde sehr schnell gefunden und erkannt, baut sie sich doch ihr eigenes Häuschen mit kleinen Steinchen und Pflanzenstückchen. Ganz wie wir Menschen scheinen diese Tiere ihre eigenen Vorlieben zu besitzen. So fanden wir recht unterschiedliche Häuschen, von fast reinen „Steinbauten“ bis eher an Komposthäufchen erinnernde Gebilde. Auch andere im Wasser lebende Insekten wurden vorübergehend gefangen und mit Hilfe von diversen Bestimmungsbüchern bestimmt. Am Bachufer fanden wir auch einen angenagten Baum mit wunderschönen Zahnspuren, was unschwer dem in dieser Gegend lebenden Biber zugeordnet werden konnte. Ich hatte von Peter Schlup noch eine Kiste mit diversen Gegenständen erhalten. So machten wir uns ans Bestimmen von Federn, wobei sich einige Kinder als wahre Experten erwiesen. So wurde eine Feder nur nach kurzem Blick dem Eichelhäher und eine zweite ohne Probleme der Stockente zugeordnet. Ein Mädchen erklärte mir, wie man die Schwungfedern von einem Nachtgreifvogel von denen eines Taggreifers unterscheidet. Hätten Sie das gewusst? Also zu Ihrer Information: Die Schwungfedern des Nachtvogels haben einen ausgefransten Rand, damit sie beim Fliegen keinen Lärm machen. Zu meiner Beruhigung wurden dann aber doch wieder die Bücher zu Hilfe genommen, vor allem die Bestimmung von gefundenen Eiern erwies sich als nicht so einfach. Einige der Kinder verloren nach einer Weile ein wenig das Interesse und da es sehr heiss war, lockte der kühle Bach. Vor allem zwei der wilderen Jungs musste ich am späteren Nachmittag tropfend ihren Eltern abliefern.

Unterdessen kroch die andere Gruppe im steilen Wald neben dem Gäbelbach den Berg hinauf. Auf kleinen Wegen, die sich als Wildwechsel von Dachsen und Füchsen erwiesen, wurde fleissig nach weiteren Spuren gesucht. Ich war zur Vorbereitung am Tag vorher mit Peter Schlup in dieser Gegend. Wir hatten einige Wechsel mit ein paar Ästen verlegt, um mit ein wenig Glück einige hängen geblieben Haare zu finden, um genau zu wissen auf wessen Weg wir uns da bewegten. Was da aber hängen geblieben war, erinnerte mich stark an die schwarzen Haare meiner kleinen Hündin, die auf der Erkundungstour dabei war. Nach diesem Spaziergang sind wir alles Experten was Frassspuren an Tannenzapfen anbelangt. Wir können jetzt unterscheiden, ob ein Eichhörnchen (sehr unordentlich) oder eine Maus (sehr ordentlich) diesen Zapfen leer genagt hat oder war es doch der Eichelhäher? Kot der sehr prominent auf Steinen oder Holzstücken deponiert wird, gehört zum Fuchs. Der Dachs legt ordentliche Toilettenanlagen an, welche nach Gebrauch wieder zugedeckt werden. Vielleicht hilft es Ihnen zu bestimmen in was sich Ihr Hund wieder gewälzt hat, wenn er das nächste Mal fröhlich stinkend auf Sie zutrabt.

Rindenverletzungen an jungen Bäumen, welche ich als Leihe immer der Unachtsamkeit von Menschen zugeschrieben habe, entstehen, wenn Rehböcke ihren Bast von den Geweihen reiben.

Peter Schlup vermutete in der idyllischen Wiese zwischen Bach und Wald eine Rehgeiss mit ihrem Jungen. So sehr wir auch spähten, wir konnten sie nicht entdecken. Er sollte aber Recht behalten. Zwei Tage nach unserem Ausflug sah ich sie, eine Rehgeiss mit Zwillingen, die friedlich grasten. Alles lässt sich eben nicht planen, vor allem wenn Wildtiere eine Hauptrolle spielen.

Faszinierend war auch, wie sich die Blicke der Kinder für Details in der Natur schärften, Peter Schlup konnte sich vor Fragen kaum noch retten. Immer wieder wurden neue Spechtlöcher hoch in den Bäumen entdeckt, Kratzspuren am Boden oder an Ästen analysiert, Federn gefunden oder feine Spinnennester in Blättern entdeckt.

Spurensuche macht Hunger, sehr schnell wurden einige Stimmen nach dem Zvieri laut. Also setzten wir uns am Bach in den Schatten und genehmigten uns unsere wohlverdiente Pause mit dem mitgenommenen Picknick.

Viel zu schell war es wieder Zeit zur Postautostation zu laufen, einige doch schon ziemlich müde, andere mehr oder weniger trocken aber doch alle sehr zufrieden. Peter Schlup, vielen Dank für den schönen und spannenden Nachmittag.

Tatiana Lentze

Leiterin Jugendtierschutz

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