Therapiehof Schwand

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„Alles Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde!“

Und was macht eigentlich Pferde glücklich? Was brauchen sie, damit sie sich wohl fühlen und gesund bleiben?

Am 9. Mai 2015 führte der Bubo-Ausflug zum Therapiehof Schwand und seinen Islandpferden. Diese Pferde haben einen Beruf. Sie helfen bei der Therapie von behinderten Menschen mit und schenken diesen bewegende Momente.

Wir besammeln uns wie immer in Bern, für einmal jedoch mit Helm und Trottinet ausgerüstet. Für den Ausflug heute hat sich eine reine Mädchengruppe angemeldet. Einige kennen sich bereits gut aus mit Pferden, andern ist der Umgang mit ihnen noch fremd. Eines haben wir aber gemeinsam: Wir freuen uns, die Islandpferde kennen zu lernen. Nach einer kurzen Zugfahrt bis Rubigen, führt uns eine Strasse neben Feldern und am Waldrand entlang zum Therapiehof Schwand. In rasantem Tempo kommen wir auf den Trottis unserem Ziel näher. Begleitet werden wir von meinem Mann Michael. Seinen Augen entgehen freilebende Tiere kaum. Plötzlich legt er unterwegs einen Stopp ein. Michael hat einen Kiebitz entdeckt und kann uns auf diesen seltenen Vogel aufmerksam machen. Den Kindern und mir wäre der Kiebitz sicher nicht aufgefallen.

Beim Therapiehof kommen die Pferde gerade von der Weide zurück und treffen gleichzeitig wie wir beim Stall ein. Es ist eine ruhige und zufriedene Stimmung. Freundlich werden wir von der Betriebsleiterin Ursula Müller und Kathrin Neeser empfangen. Die Kinder stillen ihren Durst mit Sirup und nun will auch die Neugier auf die Pferde gestillt werden.

Ursula erzählt uns von den Eigenschaften und Bedürfnissen der Pferde. Pferde sind Flucht- und Herdentiere. Sie brauchen Artgenossen und genügend Bewegung. Der Freilaufstall beim Therapiehof Schwand bietet den Pferden sowohl die Möglichkeit, mit Artgenossen in Kontakt zu treten, wie auch jederzeit die Möglichkeit für Bewegung. Zurzeit leben hier zwölf Islandpferde. Das Stallgebäude und ein Unterstand bieten Schutz vor Wind und Regen. Der Brunnen im Auslauf lädt zu frischem Wasser ein und ein Baum spendet Schatten. Im Stall fallen die Futterstände auf. Hier bekommen die Pferde ihr Kraftfutter. Im Futterbecken hat uns Ursula das Menu der Pferde bereitgelegt. Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, damit die Pferde gesund bleiben. Die Kinder erkennen durch riechen und ertasten deutlich den Unterschied zwischen Heu und Haylage, welches hier verfüttert wird. Haylage eignet sich bei Staub-Allergikern als Alternative zu Heu.

Die Freude bei den Kindern ist gross, als wir Samson und Piltur zum Putzen holen dürfen. Sofort machen sich die Mädchen vom Bubo-Club ans Kämmen, Striegeln und Bürsten. Die langen Mähnen haben es den Mädchen besonders angetan. Das Auskratzen der Hufe ist nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Und es kommt noch anspruchsvoller: Ursula und Kathrin fordern einige Kinder auf, mit verbunden Augen – also – „blind“ ein Pferd zu bürsten. Das Kind mit verbundenen Augen wird jeweils von einem anderen Kind geführt und beim Putzen angeleitet. Wie ist es, nur mit einer Hand oder vom Rollstuhl aus ein Pferd zu putzen? Die Kinder nehmen diese Herausforderung an und können sich so für einen Moment etwas in die Situation von körperlich beeinträchtigten Menschen versetzen. Die beiden Pferde scheinen sich durch die vielen Kinder nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Inzwischen ist Sarah eingetroffen. Sie ist eine pferdebegeisterte, junge Frau und kommt wöchentlich auf den Therapiehof zum Reiten. Sarah zeigt uns stolz, wie geschickt ihr die Pferdepflege von ihrem Rollstuhl aus gelingt. Selbst das Auskratzen der Hufe führt sie uns vor. Ihr Vater erzählt mir, dass er durch das Reiten bei Sarah grosse Erfolge beobachten konnte. Er ist von der Therapie mit den Pferden überzeugt und der Meinung, dass diese leider noch viel zu wenig anerkannt wird. Von einem Podest aus, das über extra niedere Treppenstufen erreicht werden kann, gelangt Sarah jeweils auf den Rücken der Pferde. Das Glück steht ihr jedenfalls heute deutlich ins Gesicht geschrieben. Bei ihrem Ritt durch den Wald wird sie von einer Pferdeführerin und einer Therapeutin begleitet.

Als Höhepunkt von diesem Vormittag dürfen die Bubo-Mädchen eine Runde reiten. Samson und Piltur bekommen eine weiche Decke und einen Ledergurt mit zwei Griffen zum Festhalten auf den Rücken. Einige Kinder bereiten mit Strassenhütchen einen Slalom vor. Ein anspruchsvoller Parcours, wie sich bald herausstellt. Immer zwei Kinder führen zusammen ein Pferd mit Reiterin durch diesen Slalom. Dabei vergeht die Zeit viel zu schnell. Zum Abschluss von unserem Besuch bekommen Piltur und Samson aus einem Futterkübel ihre wohlverdiente Belohnung. Auf unserer Rückreise nach Bern bleiben die Pferde das Gesprächsthema und möglicherweise haben es einige Pferdehaare von Piltur und Samson sogar bis zu den Kindern nach Hause geschafft.

Herzlichen Dank an die Stiftung Therapiehof Schwand, für diesen spannenden Vormittag! Wir wünschen weiterhin alles Gute und viel Glück mit den Pferden. Weitere Infos unter www.therapiehof.ch.

Rahel Gubler

Leiterin Jugendtierschutz