zu wenig Wildhüter – Zahlen und Fakten kaum vorhanden

Zu wenig Wildhüter – Zahlen und Fakten kaum vorhanden

Im Kanton Bern leisten die Wildhüter viele Überstunden, oft schreiben sie sie gar nicht mehr auf. Die Polizei ist oft auch am Anschlag. Alles wegen Sparmassnahmen des Kantons. Viele verletzte Wildtiere – nachts oder auch am Tag – flüchten und leiden lange.

Im Kanton Bern verunfallen jährlich rund 6‘000 Wildtiere. Nicht jedes dabei verletzte oder getötete Tier ist aber gleich vor Ort auffindbar. Jährlich müssen rund 2‘000 Wildtiere im Kanton Bern mit einem Hund gesucht werden. Dabei sind die gut ausgebildeten Diensthunde der Wildhüter ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, einem Tier langes Leiden zu ersparen.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu stellt in ihren Statistiken fest, dass der motorisierte Verkehr auf Schweizer Strassen im Laufe der letzten 20 Jahre um einen Drittel angestiegen ist und sich seit 1990 praktisch verdoppelt hat. Es liegt nahe, dass es heute auch zu viel mehr Wildtierunfällen kommt. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Gleichzeitig ist die Zahl der Wildhüter zurückgegangen. Das Jagdinspektorat des Kantons Bern erklärte auf Anfrage des Berner Tierschutzes: „Im Jahr 1990 waren 39 Wildhüter angestellt und heute sind 28 Vollzeit-Wildhüter mit ihren rund 32 Diensthunden im Einsatz.“ Also gibt es heute massiv weniger Wildhüter, aber, deutlich mehr Wildtier-Unfälle. Ein Gegensatz. Sparen auf dem Buckel der Tiere?

Dazu Wildtierspezialistin Sara Wehrli vom Schweizer Tierschutz: „Über die gesamtschweizerische Entwicklung der Wildhüterzahlen haben wir keine Informationen – dass von Wildhütern schweizweit aber viele Überstunden geleistet werden, ist mir „vom Hörensagen“ zumindest nichts Neues. Eine rasche und schonende Nachsuche nach einem Verkehrsunfall ist aus Tierschutzgründen sehr wichtig, um das Leiden angefahrener Tiere zu verkürzen. Bezüglich Stellenabbau bei den Wildhütern auf kantonaler Ebene kann der STS wenig tun, ausser bei Stellungnahmen zu Gesetzesvorlagen, und hier unterstreicht der STS immer wieder die Notwendigkeit einer professionellen Wildhut und Nachsuche-Teams.“

Die bfu hat keine zuverlässigen Zahlen zu Unfällen mit Wildtieren: „Leider können wir ihnen zu diesem Thema keine zuverlässigen Angaben liefern. Für den Strassenverkehr haben wir nur Zugriff auf die „Polizeilich registrierten Strassenverkehrsunfälle“ des Bundesamtes für Strasse ASTRA. Diese Daten sind in Bezug auf Wildtierunfälle doppelt problematisch. Zum einen, weil es eine hohe Dunkelziffer gibt, d. h. die Polizei erhält keine Kenntnis vom Unfallereignis. Das zweite Problem ist, dass die Polizei zwar informiert wurde, den Unfall aber nicht dem ASTRA meldet.“

Und weiter sagt Steffen Niemann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Forschung der bfu:

„Wenn ich die registrierten Unfälle ansehe, scheint es Unterschiede in der Meldepraxis zwischen den kantonalen Polizeistellen und auch innerhalb einer Kantonspolizei über die Jahre zu geben. So wurden z. B. im Kanton Luzern von 1992 bis 2001 jährlich ca. 200 Wildtierunfälle registriert, von 2002 bis 2015 werden aber nur bis maximal 5 Unfälle ausgewiesen. Ein weiteres Beispiel: im Jahr 2015 ereigneten sich laut Polizeistatistik im Kanton Bern 13 Wildtierunfälle, im Kanton Zürich dagegen 229, im Tessin 424.“

Fussnote

*)Zu den Aktivitäten der Wildhut gehören jagdplanerische, jagdpolizeiliche und hegerische Funktionen: die Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt der einheimischen Tierwelt und deren Lebensräume; der ausreichende Schutz bedrohter Wildarten; die Jagdpolizei und –aufsicht; der Wild- und Vogelschutz; die Beratung der Landwirte, Waldbesitzer und der übrigen Bevölkerung bei Wildschäden sowie die Schadensschätzungen und Entschädigungen; Wildzählungen und Beobachtungen; Naturschutzaufsicht; Mitwirkung bei der Organisation und Durchführung von Massnahmen zur Bekämpfung der Tollwut und anderer Tierseuchen sowie beim Vollzug des Tierschutzes; Förderung der Wildtierforschung; Information und Aufklärung der Öffentlichkeit über die Jagd und die Lebensweise wildlebender Tiere und Nachsuchen von verletzten oder kranken Tieren mit Diensthund.

Bildlegende für Bilder (Fotos kantonales Jagdinspektorat und Kurt Venner, Berner Tierschutz)

Mehrmals im Jahr finden Ausbildungstage für die Diensthunde der Wildhut statt. Mit einer künstlich angelegten Schweissfährte üben die Wildhüter mit ihren Diensthunden. Was ist eigentlich eine Schweissfährte? „Schweiss“ bedeutet in der Jägersprache „Blut“. Eine Schweissfährte ist eine Blutspur, welche der Hund mit seiner konditionierten Nase „erschnüffeln“ muss.

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