Duke: Ein nicht ganz so sanfter dafür umso liebevoller Riese!

Duke kam Ende März 2020 in unser Tierheim. Da Duke aus uns nicht genau bekannten Verhältnissen kam, wussten wir nicht viel über seine Vorgeschichte.

Der neunjährige stattliche Rüde war von Anfang an uns Menschen gegenüber freundlich und aufgeschlossen. Da wir zu dieser Zeit pandemiebedingt keine ehrenamtlichen Hundespaziergänger*innen empfangen konnten, sind auch wir Tierpflegerinnen, die sonst in anderen Bereichen eingeteilt sind, vermehrt mit unseren Hunden spazieren gegangen, damit die Hunde trotz dieser Einschränkung ihre Beschäftigung und ihrem Auslauf erhalten.

So kam es, dass ich einige Male mit Duke spazieren gegangen bin. Anfangs konnte ich ihn nicht richtig einschätzen und wir waren uns noch nicht so sympathisch. Duke gab mir zu verstehen, dass es ihm egal sei, wer am anderen Ende seiner Leine steht – Hauptsache er kam zu seinem Spaziergang und durfte draussen in Ruhe «Hundezeitung lesen». Obwohl Duke einige Gramm zu viel auf den Rippen hatte und nicht mehr der Jüngste ist, hat er definitiv viel Power. Diese Kraft in Kombination mit seinem Gewicht und seiner Grösse hat mich anfangs gehörig ins Schwitzen gebracht. Duke zog stark an der Leine, wollte Katzen jagen und pöbelte die meisten Hunde an, welche wir auf unseren Spaziergängen trafen. Auch durfte Duke nicht frei von der Leine laufen – denn die Rehe im Wald rochen einfach zu verlockend für ihn. Leider erhielten wir praktisch keine Anfragen für Duke. Ich vermute, dass sich viele Leute wegen der Kombination von Alter, Grösse und Farbe abschrecken liessen. Leider erleben wir immer noch oft, dass Hunde mit dunkleren Fellfarben schwieriger zu vermitteln sind.

Nach und nach haben wir uns immer mehr angefreundet. Jeden Tag, an dem ich im Tierheim war, haben wir gemeinsam gespielt, geschmust und kleine Ausflüge z. B. in den Wald oder ans Wasser (Duke liebt kleine Bäche zum Plantschen) unternommen – so oft es die Zeit neben dem Tierheimalltag zuliess. Duke war nun mein Pflegehund und so verbrachte ich viel Zeit mit ihm. Duke ist mir mit seiner freundlichen und oft stürmischen Art schnell ans Herz gewachsen. Unter «stürmische Art» versteht sich bei Duke folgendes: Wenn er Menschen sieht, dann will er diese auch richtig begrüssen, indem er – sofern man nicht aufpasst – an einem hochsteht und Küsschen vorzugsweise im Gesicht verteilt. Das mag süss klingen, ist jedoch in Anbetracht seiner Grösse nicht mehr ganz so süss. Wenn 45 Kilogramm Hund unerwartet an einem hochstehen, dann bin ich mit meinen knapp 160 cm doch oft ins Wanken geraten. In diesen Situationen, sowie auch bei Hundebegegnungen musste ich mich schweren Herzens seinem treuen Hundeblick widersetzen und ihm klar aufzeigen, dass das so nicht geht. Duke hat das mehr oder weniger gut verstanden. Wenn ich für ihm sprechen müsste, dann wollte er so doch nur uns Menschen seine Zuneigung zeigen und Hunde anpöbeln, dass hatte er schliesslich doch schon immer gemacht. Da Duke aber gut ein halbes Jahr bei uns im Tierheim war, hatten wir beide genug Zeit, um auszumachen, wer von uns den «stärkeren Kopf» hat. Nach und nach verhielt sich Duke bei Hundebegegnungen ruhiger und entschied sich auch öfter für ein Guddeli statt für die Verfolgung einer Katze. Der fröhliche und oft auch etwas tollpatschige Duke und ich waren nun ein gutes Team. Duke interessiert sich jetzt, wer am anderen Ende der Leine war und forderte ganz oft seine Streicheleinheiten bei mir ein. Hätte ich nicht bereits meine eigene Hündin «Lisa», welche mit Artgenossen leider nicht verträglich ist, dann hätte ich mir sehr gut vorstellen können, ihm ein definitives Zuhause zu schenken.

Da Duke nicht mehr der Jüngste ist, hat das ganze Tierheim-Team gehofft, dass er so schnell als möglich ein neues Zuhause findet – schliesslich sollte er sein Seniorendasein noch in vollen Zügen geniessen dürfen. Nach langem Warten und Hoffen erhielten wir schliesslich eine Anfrage für Duke, die uns alle sofort überzeugte. Die neuen Besitzer von Duke waren sich bewusst, dass er doch auch einige gesundheitliche Alterserscheinungen hat, nicht mehr flink wie ein Welpe ist und auch eine gewisse «Charakterstärke» mitbringt.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner rüpelhaften aber doch charmanten Art haben sich die Interessenten nach wenigen Treffen in Duke verliebt und entschieden ihn zu adoptieren. Uns allen ist ein Stein vom Herzen gefallen, da nun klar war, dass Duke seinen Lebensabend nicht im Tierheim verbringen muss. Duke erhält nun die volle Aufmerksamkeit von seinen Menschen und darf sich im grossen Garten und auf vielen Spaziergängen seinem Alter entsprechend austoben.

Ich freue mich sehr Duke in guten Händen und in einem schönen neuen Zuhause zu wissen und trotzdem musste ich ein paar Tränen verdrücken, als ich mich von ihm verabschiedet habe. Der nicht ganz so sanfte Riese hat sich in unserer gemeinsamen Zeit langsam aber sicher in mein Herz geschlichen. Ich wünsche Duke und seinen neuen Haltern noch viele schöne Momente, die sie gemeinsam verbringen dürfen.

Céline Wyniger

Tierpflegerin EFZ

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