Frettchen

Ja, das Wort habe ich schon öfters gehört oder auch schon Berichte über diese quirligen, neugierigen und verspielten Tierchen gesehen und gelesen. Sie haben mich mit ihrem schlanken, länglichem Körper und dem lieblichen Ausdruck schon immer fasziniert. Doch selber habe ich in Natura noch nie welche gesehen.

Obwohl wir im Tierheim schon einige Male angefragt wurden Frettchen aufzunehmen, von Leuten die sie als Verzichttier abgeben wollten, aus welchen Gründen auch immer, mussten wir jedes Mal verneinen, da wir nicht “Frettchengerecht” eingerichtet sind.

Aber eines Tages waren wir gezwungen diese Situation vorübergehend zu ändern. Jemand kam mit einem Frettchen ins Tierheim, welches die Leute gefunden hatten. Es war bei ihnen durchs Katzentürchen in die Wohnung gelangt.

Wir machten das Beste daraus und ich richtete für “unseren” Findling ein Gehege so optimal wie möglich ein, wie ich es in einem Fachbuch gelesen hatte.

Die kleinen Räuber lieben kuschelige, gemütliche Plätze in ihrem Heim. In weich ausgepolsterten Schlafhäuschen dösen sie ebenso gerne wie auch in einem Schlafsack oder einer Hängematte. (Darf ruhig auch selber gebastelt sein.) Die Kobolde brauchen viel Platz um herum zu turnen und rennen zu können. Einer Röhre, Tunnel oder Ring können sie kaum widerstehen. Sie stöbern und tauchen auch gerne in einer Kiste in der abwechslungsweise verschiedene Materialien sind, wie zum Beispiel: Papier, Walderde, trockenes Laub, Tannenzapfen…. usw. Mit Vorliebe benutzen sie eine mit Katzensand gefüllte Kiste um ihr Geschäft zu verrichten.

Aber um wirklich glücklich zu sein brauchen sie einen Artgenossen und sollten nie Einzeln gehalten werden. Auch zu zweit werden sie Menschenbezogen, sofern man Ihnen genügend Zeit widmet.

Nebst einem grossen Gehege brauchen sie unbedingt täglich mehrere Stunden freien Auslauf in der Wohnung oder im Garten an der Leine. Ich machte mit unserem Gast an der speziellen Frettchenleine eine Entdeckungsreise. Aber es machte den Anschein, dass er dies nicht gewohnt war. Also brach ich den Versuch relativ schnell wieder ab und brachte ihn in sein Gehege zurück wo er genüsslich sein Bäuchlein mit Katzenfutter füllte und danach ein Nickerchen machte.

Nach vier Tagen langer Suche fand ihn sein Besitzer bei uns und holte ihn zu seiner Frettchenpartnerin zurück. So gingen meine aufregenden Tage mit ihm zu Ende.

Übrigens: Für solche Haustiere braucht man vom kantonalen Veterinäramt eine Haltebewilligung

Sabine Andrey
Tierpflegerin